Julius Krum How to run a radiostation: Recording / Editing

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Recording / Editing

Equipment

Das Equipment, mit dem ihr eure Aufnahmen macht, ist maßgeblich für die Qualität der Beiträge, die euer Radio am Ende senden wird. Oft gilt: Umso teurer, desto besser. Doch auch mit geringen finanziellen Mitteln lassen sich qualitativ hochwertige Aufnahmen erzielen. Wie ihr dies anstellt, und alles Weitere, auf das ihr achten müsst, erfahrt ihr im weiteren Tutorial.

1. Mikrofone

Als Equipment wurden in diesem Fall ein „Shure PG58“ Mikrofon, sowie ein Behringer-Klon des „Shure PG58“ Mikrofons verwendet, welcher in der Anschaffung deutlich günstiger ist und sich bei gesprochenem Wort kaum vom Original unterscheidet. Alle Mikrofone sollten dabei eine ähnliche Charakteristik aufweisen, um das Gesprächsbild nicht zu verfälschen. Zudem sollte darauf geachtet werden, die Mikrofone möglichst gut vor möglichen Erschütterungen zu schützen. Dafür bietet sich eine Mikrofonspinne an, in welcher das Mikrofon durch Gummibänder gehalten wird, sodass Erschütterungen abgefangen werden. Auch ein Poppschutz, der vor das Mikrofon gespannt wird, hilft, die Qualität der Aufnahme deutlich zu verbessern. Der Poppschutz filtert laute Geräusche heraus, welche beim Sprechen von harten Konsonanten wie „k“, „t“, „p“, usw. entstehen. Während der Aufnahme ist es wichtig darauf zu achten, dass die Sprecher*innen möglichst nah am Mikrofon bzw. Poppschutz sprechen und sich beim Sprechen nicht entfernen, um eine möglichst gleichmäßige Lautstärke und Verständlichkeit zu garantieren. Die Mikrofone müssen unbedingt von einem Mikrofonständer gehalten werden und sollten unter keinen Umständen in der Hand gehalten oder weitergegeben werden. Dies erzeugt starke Störgeräusche, welche sich auch im Nachhinein nur schwer entfernen lassen.

Im Notfall (und bei Online-Gästen, die kein besseres Mikrofon besitzen) kann ein Laptop- / Headset- / Handymikrofon zur Aufnahme verwendet werden. Die Audioqualität leidet jedoch stark darunter und kann auch nicht wirklich durch nachträgliches Editing verbessert werden.

 

2. Audio-Interface

Um die Mikrofone mit einem PC zu verwenden wird ein sogenanntes Audio-Interface benötigt, welches per USB-Anschluss mit dem PC, und per XLR-Anschluss über Mono-Eingänge mit den Mikrofonen, verbunden wird. In unserem Fall benutzen wir das Audio-Interface UR242 von Steinberg, sowie das Scarlett Focusrite 2i2, welche über zwei Mono-Eingänge verfügen. Werden mehr Eingänge benötigt, ist die Benutzung eines Audio-Mixers zu empfehlen.

 

3. Audio-Mixer

Falls mehr Audio-Ein- und Ausgänge benötigt werden, als das Interface hergibt, muss ein Audio-Mixer verwendet werden. In unserem Fall war dies der Pioneer DJM-800. Alle Audio-Kanäle und -Geräte werden an den Mixer angeschlossen. Der Master-Ausgang des Mixers läuft dann in das Audio-Interface, was wie unten beschrieben, in den Audio-Einstellungen angesteuert wird (s. 4. a. iv. Aufnahme in Audacity).

 

4. Kabel

Natürlich benötigt ihr alle notwendigen Ladekabel, Akkus usw. für euer zusammengestelltes Equipment. Essenziell sind außerdem ein LAN-Kabel, mindestens ein USB-Kabel, sowie jede Steckerkombination aus der Auswahl rechts: V.l.n.r sind dies XLR, Cinch, AUX 3,5mm und AUX 6,3mm. In der oberen Reihe sind die männlichen, in der unteren Reihe die weiblichen Anschlüsse zu sehen.

 

Umgebung

Grundlage für eine gute Aufnahme ist ein geeigneter Raum, welcher nicht zu groß sein sollte, um Hall zu vermeiden. Alle äußeren Geräuschquellen sollten bestmöglich abgeschottet sein. Umso besser der Raum akustisch behandelt wurde (mit Schaumstoff, Teppichen, Matratzen oder Vorhängen), desto besser werden die dort aufgenommenen Beiträge.

 

Online-Plattformen

Online-Plattformen wie Zoom, Discord oder DFN begleiten uns seit Corona durch den Alltag. Es ist quasi jedem*r bekannt, dass die Sprachqualität oft nicht gut bzw. vergleichbar mit professionellen Tonaufnahmen ist, was hauptsächlich an der schlechten Mikrofonqualität der meisten Laptops liegt. Oft lassen sich viel bessere Ergebnisse erzielen, wenn alle Gesprächspartner*innen mit einem Kondensator-Mikrofon ausgestattet sind. Es gibt für unter 30 Euro gute USB-Mikrofone, die die Qualität der Aufnahme der Online-Gesprächspartner*innen merklich steigern. Zu Empfehlen ist beispielsweise das FINFINE K669B.
Eine Verbesserung der Aufnahme lässt sich außerdem erzielen, indem der*die Gesprächspartner*in seine*ihre Mikrofon-Aufnahme eigenständig mit Audacity aufnimmt, exportiert und im Nachhinein an den*die Interviewer*in zurücksendet. Im Nachhinein können beide Aufnahmen dann in Audacity zu einer synchronisiert werden. So können Störgeräusche und verminderte Audioqualität durch die Online-Übertragung verhindert werden.

 

Aufnahme in Audacity

Zur Aufnahme der Beiträge verwendeten wir die freie Software „Audacity“. Diese erlaubt die Aufnahme, sowie die erste Nachbearbeitung, und gibt die Möglichkeit in kurzer Zeit Beiträge zu schneiden. Die Software kann unter https://www.audacityteam.org/download/ kostenlos heruntergeladen werden. Nachdem die Software installiert wurde muss zunächst die Aufnahmequelle eingerichtet werden:

Im ersten Dropdown Menü wählt ihr den Audiotreiber aus. Dieser unterscheidet sich, je nachdem, ob ihr auf einem Mac oder einem Windows PC, aufnehmt. Im zweiten Dropdown Menü wählt ihr dann die Audioquelle. In unserem Fall war es das Steinberg UR242 Interface. Im letzten Dropdown Menü könnt ihr nun wählen ob ihr in Mono oder Stereo aufnehmen möchtet. Aufnahmen von Mikrofonen werden grundsätzlich in Mono aufgezeichnet. Einzige Ausnahme, welche eine Stereoaufnahme erfordert, ist wenn zwei Monospuren über einen Stereo-Kanal aufgenommen werden sollen. Die entstehende Spur enthält dann im linken und im rechten Stereokanal jeweils die Aufnahme von einem Mikrofon und muss im Anschluss wieder auf zwei Monospuren aufgeteilt werden.
Um zu überprüfen ob die Einstellungen richtig sind, wird die Aufnahmeüberwachung verwendet:

Die Aufnahmeüberwachung findet ihr über den Eingangs- und Ausgangseinstellungen. Durch einen Klick wird die Überwachung gestartet. Wenn die Einstellungen richtig sind, solltet ihr einen Ausschlag in diesem Feld sehen, sobald ihr in die Mikrofone sprecht. Der Ausschlag sollte dabei auch bei lautem Sprechen auf keinen Fall über den 0 Wert steigen, da es sonst zu einer Übersteuerung kommt und im Optimalfall zwischen -12dB und -6dB betragen. Durch einen Soundcheck mit allen beteiligten Personen können die Lautstärken über die Lautstärkeregler am Audio-Interface angepasst werden. Sind alle Lautstärken in Ordnung kann die Aufnahme beginnen.
Um die Aufnahme zu beginnen drückt ihr den roten Aufnahme-Knopf:

Die Aufnahme kann jederzeit durch Drücken des Pause-Knopfes (ganz links) unterbrochen werden und durch erneutes Drücken des roten Aufnahmeknopfes fortgesetzt werden. Ist die Aufnahme fertiggestellt könnt ihr die Aufnahme durch Drücken des Stop-Knopfes beenden. In manchen Fällen bietet es sich an die Aufnahme in mehrere Spuren zu unterteilen. Um eine weitere Spur hinzuzufügen nutzt ihr die Funktion Spuren à Neu hinzufügen à Mono-/Stereospur.

 

Rauschunterdrückung

Ziel der Nachbearbeitung ist es, Störgeräusche möglichst zu reduzieren und alle Stimmen auf ein Lautstärkeniveau zu bringen.
Zunächst müsst ihr ein Rauschprofil erstellen. Dafür sucht ihr eine Stelle, an welcher nicht gesprochen wird und nur Hintergrundrauschen zu hören ist. Diese wählt ihr aus bevor ihr den Effekt öffnet:

Nun öffnet ihr den Effekt unter Effekt à Rausch-Verminderung. Im nächsten Schritt wählt ihr „Rauschprofil ermitteln“, damit Audacity weiß, was herausgefiltert werden soll. Anschließend wählt ihr die gesamte Spur aus und öffnet erneut den Effekt. Diesmal drückt ihr jedoch „OK“. Die Rauschverminderung wird nun ausgeführt. 

 

Leveling

Als nächstes müssen die Lautstärken angepasst werden. Dies dient dazu alle Gesprächspartner*innen auf einem Lautstärkeniveau zu halten, und heftige Mikrofonausschläge abzumildern. Unten aufgelistet, findet ihr die drei Möglichkeiten, die euch dafür zur Verfügung stehen: Manuelle Lautstärkeanpassung, Kompression, Limiting. 

 

1. Manuell

Lautstärkeunterschiede könnt ihr visuell in der Spur erfassen. Laute Stellen haben einen starken Ausschlag in der Spur, leise einen geringeren. Besonders laute Stellen könnt ihr mit dem Effekt „Verstärken“ leiser machen. Dafür wählt ihr zunächst die Stelle in der Spur aus und öffnet dann den Effekt unter Effekte à Verstärken. Im folgenden Dialog wählt ihr unter Verstärkung (dB) einen negativen Wert, um die Spur leiser zu machen. Das Gegenteil gilt bei zu leisen Stellen, hier wählt ihr einen positiven Wert, um die Spur lauter zu machen. Achtet dabei darauf, dass die neue Spitzenamplitude im Feld darunter nicht über -6 dB steigt.
Ihr könnt das Ergebnis der Verstärkung mit dem Vorhören-Knopf überprüfen. Sind alle Spuren und Stimmen auf einem ähnlichen Wert habt ihr die Nachbereitung eurer Spuren erledigt.

 

2. Compressor
Um die Lautstärke der Tonspur mit Hilfe des Kompressors auf ein Level zu bringen, wird erst die gesamte Spur markiert und dann über Effekt der Kompressor ausgewählt. Der Grenzwert bestimmt, ab welcher Lautstärke der Kompressor anfangen soll, das Signal zu komprimieren. Das Verhältnis bestimmt die Stärke dieser Komprimierung. Die Ansprech- und Abklingzeit sollten nicht zu niedrig eingestellt werden, um einen "ploppenden" Sound zu verhindern. Die beiden Felder, unten im Dialogfeld, sollten immer aktiviert sein. So verhindert ihr, dass euer Signal durch die Komprimierung leiser wird. Mittels Vorhören könnt ihr eure Einstellungen überprüfen. Sobald ihr auf OK klickt, wird der Kompressor (mit den ausgewählten Einstellungen) angewendet. Die Einstellungen sind im Nachhinein nicht mehr veränderbar. 

 

3. Limiter
Der Limiter (Begrenzer in Audacity) begrenzt die maximale Lautstärke des Audio-Signals auf einen eingestellten Wert. Über den Typ könnt ihr eine grobe Voreinstellung festlegen, wie der Limiter arbeiten soll. Ich wähle zumeist die Harte Begrenzung.
Im ersten Schritt wird über die Eingangsverstärkung das Signal angehoben. Mit diesem Wert müsst ihr rumspielen: Ist er zu niedrig, arbeitet der Limiter nicht. Ist er zu hoch, klingt das Ergebnis unnatürlich. Begrenzen sollte dabei stets auf -3dB belassen werden, um unnatürliche Artefakte beim Export zu verhindern. Über Vorhören können, wie gewohnt, die aktuellen Einstellungen überprüft werden. Mit einem Klick auf OK werden die Einstellungen final angewendet.

 

Schneiden

Nun könnt ihr eure Spuren schneiden. Achtet dabei darauf nicht während gesprochenem Wort, sondern nur während Pausen zu schneiden. Gleiches gilt auch für die Verstärken Funktion, da sich sonst unnatürliche Lautstärkesprünge ergeben. Beim Schneiden gilt immer „weniger ist mehr“. Nehmt also eine nicht gelungene Spur lieber öfters auf, als zu versuchen sie durch Schnitte zu reparieren. Die beste Aufnahme ist die, die nicht geschnitten werden muss. Dadurch ergibt sich ein angenehmerer Gesprächsfluss, welcher die Hörbarkeit eurer Aufnahmen stark verbessert. Ihr könnt einzelne Teile markieren und durch die „Entf“ Taste oder am Mac über die Löschen Taste entfernen. Schneidet ihr mehrere Spuren gleichzeitig müsst ihr darauf achten, dass ihr immer beide Spuren gleichmäßig schneidet um zeitlichen Verschiebungen entgegenzuwirken. Um Stille einzufügen an Stellen, an denen ihr Pausen einfügen möchtet, nutzt die Funktion Erzeugen -> Stille einfügen. Habt ihr den Bereich ausgewählt, in dem ihr Stille einfügen möchtet, wird die Dauer der Stille im Dialog automatisch eingestellt. Ihr könnt hier aber auch Werte eintragen, um Stille von einer gewissen Dauer einzufügen.

 

Exportieren (Dateiformate)

Sobald alles geschnitten und nachbearbeitet ist, speichert ihr eure Aufnahme auf zwei Wegen. Zum einen speichert immer das Audacity Projekt, da ihr sonst die Datei nicht mehr bearbeiten könnt und alle Spuren verliert. Dies tut ihr über: Datei -> Projekt speichern -> Projekt speichern unter… Möchtet ihr die Audiospuren exportieren nutzt den Befehl: Datei -> Exportieren -> mehrere Exportieren… In den folgenden Einstellungen wählt ihr als Qualität .wav Dateien mit einer Bittiefe von 24 bit, wenn ihr die Spuren im Nachhinein noch bearbeiten möchtet. Die hohe Bittiefe sorgt zwar für größere Dateien, aber ihr habt dadurch die Möglichkeit die Spuren noch stark in ihrer Lautstärke zu ändern. Ist euer Projekt komplett fertig, benutzt ihr die Funktion Exportieren -> Als .mp3 exportieren… Im darauffolgenden Dialog wählt ihr den Namen und die Qualität. Bei der Qualität solltet ihr für die besten Ergebnisse „Verrückt 320 kbps“ wählen. Bedenkt, dass dabei alle Spuren auf eine Spur heruntergemischt werden.