"ROTHENBERG TRIFFT SICH"

Im Rahmen des Projekts "Lebst du schon oderwohnst du noch?"

Projektmitglieder:

                           _Ann-Katrin Beil

                           _Di Zhao

                           _Eileen Anschütz

                           _Lea Roß

                           _Sarah Beau

Logo_ Rothenberg

Ergebnisse aus Raum- und Sozialraumanalyse

KONZEPTPLANUNG


Wie schaffen wir das?


Wir halten uns an drei Hauptthemen die wir aus der Analyse herausgefiltert haben. Die Hierarchien unter den Themenschwerpunkten sind durch die konzeptionelle Herangehensweise wichtig zu definieren. Dabei haben sich die folgenden Themen in ihrer Hierarchieabfolge herauskristallisiert:


(I) Die zentrale Achse

_Das Gebiet erhält ein Zentrum. An diesem Zentrum werden alle gestalteten Nutzungen angelagert. Dadurch entstehen eine räumliche Zonierung und eine ausgeprägte Nutzungsdurchmischung. Der Verkehr wird aus dem Zentrum der Siedlung ausgeschlossen. Die Achse bleibt dennoch ein befestigter Raum. Das Zentrum ist konzeptionell ein Weg und die Erschließung durch alle neuen Nutzungsräume. Durch die Bodenbeläge werden Übergänge zwischen den aufeinandertreffenden Zeilen und der Achse geschaffen. Die Mittelachse verbindet Menschen, Nutzungen und Räume.


(II) Charakteristisches Raumerlebnis

_Das prägende Gestaltungselement der Siedlung sind die Zeilenbauten von Otto Haesler. Die weiten Rasenflächen, sowie die vorhandene Vegetation werden wieder raumbildende Elemente. Neu gepflanzte Bäume verzahnen alle Zonen miteinander. Durch die Verdichtung ergeben sich neue Atmosphären zwischen den Zeilen, ein funktionaler Sichtschutz, sowie Wegebarrieren. Die Formensprache leitet sich von den Zeilenbauten ab. Die charakterbildende Formensprache überträgt sich zudem auf alle Belagsstrukturen und Objekte, die im Raum angeordnet werden. Wegebeläge verzahnen die Achse mit den umgebenden Rasenflächen der Zeilenzwischenräume. Gehölze verzahnen zudem das Gesamtgebiet und zonieren Raumabfolge. Der Materialwechsel, wie das Auslaufen des Materials und das Überschneiden, weisen auf die konträren Raumnutzungen zwischen den Ruheorten innerhalb der Zeilen und der belebten Achse hin. Alle geplanten Elemente werden zudem multifunktional. Der Weg ist beispielsweise ein Transitweg und Aufenthaltsort zugleich, Bänke sind auch von Skatern zu befahren, die Gemeinschaftsbeete können mit Zier- und Nutzpflanzen bepflanzt werden und viele der Spiel- und Sportelemente sind von Jung und Alt nutzbar. So werden scheinbare Nutzungskonflikte zur konzeptionellen Stärke des Freiraumentwurfs.


(III) Begegnungsorte

_Letztes Thema sind die Begegnungsorte. Dabei stehen das Urban Gardening, die Spiel- und Sportflächen, sowie der Grillplatz im Fokus. Aufgrund der aktiven und stark frequentierten Mittelachse sind Ausgleichsorte in den Zeilenzwischenräumen eingeplant worden. Die Menschen begegnen sich im Zentrum. Sie sollen einen aktiv nutzbaren Aufenthaltsort bekommen, der zugleich als Begegnungsort dient. Jeder kann sich selbst motivieren oder sich durch die aktiven Nachbarn motivieren lassen, sich für den Erhalt der Freiräume engagieren, sich in neue Gemeinschaften integrieren und dort verweilen. Jedem Nutzungskonzept ist immer ein Aufenthaltsort zugeordnet, in dem alle Bewohner zuschauen und mitmachen können.

1_Sportbereich mit Tribühnen

2_Spielbereich mit Pergola

2_Spielbereich mit Pergola

3_Spielbereich mit Trampolin und Wasserspiel

4_Joggingstrecke im Zeilenzwischenraum

ROTHENBERG TRIFFT SICH

Wo treffen wir uns?

_An unserer zentralen Achse!


Warum treffen wir uns dort?

_Wir haben ein Zentrum, in dem uns zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Wir können aktiv werden, allein oder mit unseren Nachbarn. Dort halten wir uns auf, um uns zu unterhalten, Sport zu treiben und zu spielen.


Wie erkenne ich das Zentrum?

_Die parkähnlichen Strukturen entlang der Achse bieten für jede Nutzergruppe und alle Altersstufen die passende Unterhaltung. Unser Zentrum ist von allen Richtungen frei zugänglich, ohne Hindernisse wie dem Kraftverkehr. Die Zentrumsachse ist ein befestigtes und farblich abgesetztes Band, welches sich durch die Siedlung zieht. Alle Aktivitäten sind dort integriert. Und somit erkennen wir das Zentrum an den Menschen, die sich dort versammeln, den Gärtnern, den Ballspielen, an dem Rauschen der Räder durch die Skater und Vieles mehr.


Welche Nutzungen finden wir?

_Wir finden alles, was wir uns zuvor in der Befragung gewünscht haben. Spielflächen für Kinder und alle die noch Spaß daran haben, Freiraum zum Skaten für Teenager, Sportgeräte für Erwachsene und Senioren, Versammlungsorte wie dem Gemeinschaftsgarten, dem Grillplatz und dem neuen Zentrumsgebäude, sowie zahlreichen Aufenthaltsbereichen. Ruhezonen finden wir zwischen den Zeilen. Dort wird sich ausgeruht, gelesen und durchgejoggt. Hier können wir im Schatten der Bäume verweilen und abseits der belebten Zentralachse den Freiraum genießen.


Warum setzen wir an der Formensprache der Architektur an?

_Die Zeilenbauten von Otto Haesler sind weit über die Grenzen des Stadtgebietes bekannt. Die strengente Architektur prägt das Raumbild und ist der Wiedererkennungswert der Rothenbergsiedlung. Alle gestalteten und funktional durchgeplanten Freiräume greifen das grundlegende Ausrichtungskonzept (senkrecht zur Nord-Süd-Achse) wieder auf. Durch die strenge und durchlaufende Formensprache erwirken wir charakterbildende Freiräume, die einen Wiedererkennungswert für das gesamte Siedlungsgebiet haben. Die verspringenden Nutzungsräume brechen die Querachse auf und verzahnen sich mit den umliegenden Zeilenzwischenräumen. Die Formensprache ist somit raumbildend und kann gleichzeitig in ihren Randzonen spannungsvolle Übergänge in die konträr angelegten Ruhebereiche bieten.

 

Wie erreichen wir unser Gestaltungsziel?

_Um eine geeignete Antwort auf ein angestrebtes Raumkonzept zu erhalten, wurden zuvor Sozialraumanalysen in der gesamten Siedlung durchgeführt. Dazu wurden unter anderem Anwohner direkt befragt, ihre tatsächlichen Aktivitäten dokumentiert und die Anzahl der Leute, die sich im Freiraum bewegten gezählt. Auffällig während der Analyse waren die Aktivitäten der Kinder auf den Straßen, die sich überwiegend mit Skates auf den befestigten Straßen bewegten. Auch der Spielplatz, der für Kleinkinder ausgelegt ist, war durch die Pandemie überlaufen und bot keine Möglichkeiten sich in angemessenem Abstand dort aufzuhalten. Weiter gab es keine gestalteten oder dargebotenen Aktivitäten. Keine andere Altersgruppe wurde in den Freiräumen angesprochen. Zumeist hindern Verbote und Reglementierungen die Nutzung der Grünflächen, oder schränken sie enorm ein. Somit stehen die meisten Rasenflächen, die flächenmäßig neben dem Straßenraum größten Freiräume, nicht zum Aufenthalt zur Verfügung.

Deshalb machten wir es uns zur Aufgabe alle Menschen, die dort Leben, zu erreichen. „Rothenberg trifft sich“, ist das Ergebnis. Nach den ausgewerteten Analyseergebnissen, sind Nutzungsräume geplant und diese in einem, der Siedlung gleichgestellten, charakterbildenden Freiraumentwurf übersetzt worden.


Dem Entwurf liegt das Raumkonzept einer zentralen Achse zugrunde. Unser Konzept des "Zentrums" sieht eine Umverteilung der Flächeninanspruchnahme einzelner Nutzungsangebote vor. Das bestehende Angebot von einem "architektonischen" Treffpunkt, dem Waschhaus, und dem Spielplatz für Kleinkinder, muss ein aufgefächertes Sozialraumangebot geschaffen werden in dem sich alle Anwohner in ihrer Freizeit aufhalten können. Um die Sicherheit der Spielbereiche zu gewährleisten, wird der Kraftverkehr aus dem inneren Kern entfernt. Es bleiben die Stellflächen und Zuwege zu den Zeilenbauten, die über die Umgehungsstraße befahrbar sind, erhalten. Die tatsächlichen Nutzungen wie das Skaten, Fahrradfahren, Ballspielen und Treffen von Bekannten und Nachbarn, sowie den Sitzmöglichkeiten für Senioren, sollen weiter verstärkt werden. Der Ansatz der Nutzungsdurchmischung sieht vor jedem Bereich mehr Raum und einen konkreten Ort zuzuweisen.


Wie bereits beschrieben, werden vor allem Eingriffe in die Wegeverbindungen vorgenommen. Der Kraftverkehr wird in die Randgebiete verlagert und die Mittelachse zu einem nutzungsintensiven Aufenthaltsraum umgestaltet. Der eigentliche Transitweg ist nun eine spannende und abwechslungsreiche Raumabfolge unterschiedlichster Nutzungsschwerpunkte. Keine zuvor gebotenen Nutzungen werden ausgeschlossen, sondern neu angesiedelt. Aus der Analyse ergeben sich wichtige Kriterien, nach denen jeder Raum neu bewertet wurde und durch die ein jeweiliges Nutzungsprogramm entstand. So lagern sich Spiel- und Aktivitätsbereiche im Zentrum der Wohnsiedlung an. Dabei konzentrieren sich die größten Flächen, wie bereits zuvor, auf die westliche Seite der Siedlung.


Die Flächen zwischen den Zeilen bleiben aus lärmschutztechnischen Gründen Ruheorte, in denen man sich aufhalten, setzen und treffen kann. Die Einsehbarkeit wird mit Hilfe von verdichteter Vegetation gemindert und neue Aufenthaltsqualitäten geschaffen. Die Verschattung und der private Charakter der Räume sollen durch die direkten Anwohner genutzt werden. Die Vegetation dient ebenfalls als Raumgrenzen und verdichtet sich zu der belebten Mittelachse stark.

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