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Re:Berndorf – Grundschule Berndorf

Beteiligte: Elina Klett, Janka Schumann, Tom Stehmann, Timon Türk
Vertikal Projekt: WiSe 2025/26
Fachgebiet: Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

RE:Berndorf
Raum für Morgen

Die ehemalige Wurstfabrik steht heute wie ein Mahnmal des Skandals im Herzen von Berndorf. Leer und überdimensio-niert versperrt sie die Dorfmitte und prägt bei der Durchfahrt als erstes Bild den Ort. Doch ein Abriss würde nicht nur meh-rere Millionen Euro kosten, er würde auch enorme Mengen an grauer Energie vernichten. Vielleicht liegt gerade darin eine Chance?
Re:Berndorf begreift den Bestand als Ressource und schlägt eine Transformation vor. Neben der gewünschten Grundschu-le entsteht eine Nutzungsmischung aus Seniorenwohnen, ei-ner Boulderhalle sowie neuen Baufeldern für Wohnnutzung. Nutzungsmischung, Renaturierung und neue Wegeverbin-dungen beleben die Dorfmitte neu und vernetzen das Dorf.

Diagramm Raumplanung

Stärkung des Dorfkerns
Berndorf dehnt sich zunehmend um den Ortskern herum aus, während innerhalb des Dorfkerns vermehrt Leerstände entstehen. Das ehemalige Wilke-Gelände bildet dabei ein zentrales Loch im Kern. Zusätzlich wirkt die Bundesstraße als starke Barriere und beeinträchtigt die Aufenthaltsqualität im Dorfzentrum.
Durch die Neuprogrammierung des Grundstücks entsteht ne-ben der von der Gemeinde vorgesehenen Grundschule eine Nutzungsmischung aus Seniorenwohnen, einer Boulderhalle sowie neuen Baufeldern für Wohnnutzung. Ergänzt wird das Programm durch einen zentralen Dorfplatz im ehemaligen Wilke-Areal, der als neuer Mittelpunkt und sozialer Treffpunkt der Dorfgemeinschaft dient und das bislang abgeschlossene Gelände wieder in den Dorfkern integriert.

Formfindung

Umgang mit dem Bestand
Das bestehende Stahlbetonskelett bildet ein robustes, trag-fähiges Grundgerüst. Das Gebäude bietet enorme räumliche Kapazitäten, ist jedoch ursprünglich nicht für natürliche Be-lichtung oder vielfältige Nutzungen konzipiert.
Im Zuge der Umstrukturierung wird der Baukörper neu or-ganisiert. Das Dachgeschoss entfällt. Durch den Rückbau der Doppelachse zwischen den Achsen 12 und 14 wird das Ge-bäude in zwei eigenständige Teile gegliedert. Dies ermöglicht eine klare räumliche Trennung in zwei Nutzungseinheiten so-wie eine verbesserte Belichtung. Zusätzlich wird das ehemali-ge Gefrierlager im Bereich der Achsen 15 bis 19 / E bis I ent-fernt, da es sich um einen großflächigen Raum ohne Stützen und Deckenplatten handelt. Außerdem entfallen weitere un-regelmäßige Gebäudeteile, wodurch eine kompakte und klar strukturierte Gebäudekubatur entsteht. Zur Verbesserung der Belichtung und Belüftung sowie zur räumlichen Auflockerung werden bei einem Teil der Doppelachse Lichthöfe in den Bau-körper eingefügt.

Lageplan

Aktivierung und Gemeinschaft
Das leerstehende ehemalige Schlecker-Gebäude wird in den Dorfplatz integriert und durch ein Bürgercafé neu be-lebt. Ein ergänzender Mikro-Hub verbessert die Anbindung Berndorfs an Korbach, insbesondere für Menschen ohne eigenes Auto. Die ehemalige Wilke-Remise wird als Ge-wächshaus und Dorfgemeinschaftshaus genutzt, während die alte Grundschule als Begegnungsort für Kinder und Jugendliche reaktiviert wird. So entstehen neue soziale Treffpunkte für alle Generationen.

 

Freiraum und Wegeverbindungen
Das versiegelte Fabrikgelände wird entsiegelt und renatu-riert. Neue Grün- und Freiräume sowie Wegeverbindun-gen schaffen einen durchlässigen, zusammenhängenden Dorfkern und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Ein zentraler Dorfplatz bildet dabei den neuen räumlichen und sozialen Mittelpunkt.

 

Wohnen und Finanzierung
Neue Wohnflächen ermöglichen eine Querfinanzierung des Umbaus. Besonders das Seniorenwohnen reagiert auf den demografischen Wandel: Ältere Menschen erhalten gemeinschaftliche, barrierefreie Wohnangebote, während bestehende Häuser für Familien frei werden. So stärkt die Entwicklung zugleich die wirtschaftliche Tragfähigkeit und den Generationenwechsel im Ort.

GrundSchuleBerndorf
In der neuen Grundschule Berndorf sollen die Grundschu-len von Twiste und Berndorf zusammengelegt und um einen Ganztagesbereich ergänzt werden. Das Raumprogramm sieht eine dreizügige Schule für die Klassen 1-4 einschließlich eines Ganztagesbereichs vor. Insgesamt ist die Schule für 392 Schü-ler*innen ausgelegt.

Erschließung
Der Haupteingang der Schule befindet sich im Unterge-schoss. Eine große Treppe führt nach oben in ein offenes Treppenhaus, welches alle Gebäudeteile wie ein Gelenk mit-einander verbindet.
Neben der Haupterschließung gibt es 2 Treppenhäuser mit jeweils einem Fahrstuhl.

Grundriss UG

Sport
Neben der Schule sind ebenfalls eine Sporthalle und Boulder-halle im Baukörper untergebracht. Die Sporthalle im Unterge-schoss kann über den Windfang separat erschlossen werden. Sie wird entlang der Nordseite belichtet und erhält dadurch ein diffuses, gleichmäßiges Tageslicht, ohne Blendung und Überhitzung. Die Boulderhalle funktioniert separat. Sie wird seitlich erschlossen und erstreckt sich vom Untergeschoss bis ins Erdgeschoss.

Grundriss EG

Aula und Ganztagsbereich
Die Aula ist als multifunktionale Halle ausgebildet und dient als Speisesaal sowie als Veranstaltungsraum. Bei Bedarf lässt sich die Aula um die Kunst- und Theater- bzw. Musikräume erweitern. Die Küche ist bewusst zentral angeordnet und über Fenster einsehbar. Sie wird offen und transparent ge-staltet, da das Thema Ernährung an diesem Ort, hinsichtlich der Geschichte, ein wichtiges Thema ist. Der Ganztagsbereich, beginnend bei den Musik- und Kunsträumen, erstreckt sich L-förmig nach Osten. Er ist eng mit der Aula und dem Schul-hof verzahnt und verfügt über einen direkten Zugang zum Außenraum. Im Ostflügel bildet der Ganztagsbereich einen zentralen Zwischenraum aus, der als gemeinsame Mitte dient. Dieser Bereich lässt sich an warmen Tagen öffnen, wodurch ein Schwellenraum zwischen Innen- und Außenraum ent-steht. Die Verwaltung ist in unmittelbarer Nähe der Haupter-schließung angeordnet mit Blick auf den Ankommensbereich.

Grundriss OG

Lerncluster
Eine Sitztreppe verbindet die Aula direkt mit den Lerncluster im Obergeschoss. Die Garderoben liegen zentral an den Er-schließungsbereichen, sodass die Kinder von ihren Straßen- zu ihren Hausschuhen wechseln können. Alle Klassenräume, einschließlich Förder- und Vorschulklassen befinden sich auf einer Ebene und sind gleich groß, wodurch eine flexib-le Durchmischung der Klassen möglich ist. Die Klassenräu-me sind auf zwei große Cluster aufgeteilt, die insgesamt drei Marktplätze umfassen. Jeder Marktplatz verfügt über einen direkten Zugang zu einem grünen Klassenzimmer. Die Dif-ferenzierungsräume sind immer zwischen den Klassen ange-ordnet und verfügen über einen direkten Zugang. Die Fenster im Innenraum, sowie flexible Schiebelemente und Vorhänge ermöglichen die Verbindung der Räume und fördern eine hohe Kommunikation zwischen den Klassen. Durch die An-ordnung der Klassenräume, Lüftungsflügel in der Außenfas-sade sowie Lüftungsflügel über den Fenstern im Innenraum ist eine Querlüftung und Nachtauslüftung möglich.

Schnitt AA
Schnitt BB
Ansicht Nord
Ansicht Süd
Ansicht West
Perspektivschnitt

Die Fassade basiert auf einer modular anpassbaren Holz-ständerkonstruktion, die direkt an die bestehende Stahl-betonstruktur angeschraubt wird und weitgehend im Werk vorgefertigt ist. So verbindet der Entwurf klimafreundlichen Holzbau mit der grauen Energie des Bestands und ermög-licht eine kosteneffiziente, ressourcenschonende Umsetzung. Ein aus dem Bestand wiederverwendetes Fassaden-blech dient als Witterungs- und Brandüberschlagschutz und ermöglicht die Befestigung des Sonnenschutzes. Konstruktiv prägend sind zudem neu eingefügte Dreigelenk-rahmen in der Turnhalle, die die Lasten gezielt in die Raum-ecken leiten und dort über massive Stahlrahmen abtragen. Dadurch bleibt eine maximale lichte Raumhöhe erhalten, während die ähnlichen thermischen Ausdehnungseigen-schaften von Stahl und Beton eine kraftschlüssige Kopplung von Neubau und Bestand ermöglichen.