MADEOFSTEEL

INITIATIVSCHULELEIPZIG

Prof. Frank Kasprusch | Annabelle Oeste | Yasmin Kirsch

Das Kreativszenezentrum Leipzig schafft Platz für ein neues Bildungskonzept inmitten des alternativ geprägten Studierendenstadtteiles Lindenau. In immer schneller wachsenden Städten werden Grundstücke rar, daher wurde für das Projekt InitiativSchuleLeipzig eine Baulücke in der dicht bebauten Merseburger Straße herangezogen. Diese soll zukünftig eine Bildungseinrichtung für Erwachsene füllen. Kritik an dem uns bekannten, herkömmlichen Schulsystem ist heutzutage nicht mehr selten, der Wunsch nach neuen Konzepten und einem Aufbrechen der alten Regeln ist allgegenwärtig. Genau hier knüpft das Entwurfsprojekt an. Geplant wird eine Schule für etwa 150 Schüler und 8 Lehrer, welche gemeinschaftlich lernen und arbeiten wollen. Da bei dieser Unterrichtsgestaltung auf Eigeninitiative gesetzt wird, müssen auch die Räumlichkeiten flexibel Gruppen- sowie Einzelarbeit zulassen. Die Architektur kommt somit nicht umher, für diesen Entwurf Hand in Hand mit der pädagogischen Analyse zu gehen, um den Lernenden sowie Lehrenden ein innovatives Image von Bildung vermitteln zu können. Ganz im Stile der alternativen Szene der Stadt ist der Aspekt des nachhaltigen Bauens beson- ders zu beachten. Der Vorreiter im Thema neue Bildungsmodelle, die in den 1970ern gegründete Berliner Schule für Erwachsenenbildung SFE, legt dem Projekt ISL den Grundstein im Hinblick auf schulpädagogische Einzigartigkei- ten. Denn neben dem Lernen soll der neue Ort vor allen eins schaffen, einen Treffpunkt mit Aufenthaltsqualität, welcher nebenbei städtebauliche Bedeu- tung trägt, indem neben der Schulgemeinschaft auch die Nachbarschaft Ein- zug in das neue Gebäude findet. Die Idee des Schulcafes als sozialer Treffpunkt wird geschaffen.

Die Achsen der Merseburger Straße sowie Endersstraße bilden die Grundlage für die Grundrissgestaltung, wodurch sich straßenseitig ein spitzer Winkel ergibt. Die so schräg zum Nachbargebäude stehende Wand schafft eine breite, einladende Eingangszone. Wiederholend setzt sich diese Form des Grundrisses aufeinander, währenddessen sich abwechselnd Balkone auf den benachbarten, zum Garten ausgerichteten Seiten ergeben. Die gesamte Gebäudekubatur wird von sich übereinander geschuppten Cortenstahl- Lochblech-Schiebeläden ummantelt, die sich händisch bewegen lassen. Insbesondere im innerstädtischen Bereich kommt es oftmals zu Konflikten, wenn Wohnungsbebauung auf intensiv genutzten, öffentlichen Bau trifft. Um die gegenüberliegende Wohnbebauung zu entlasten, bietet die flexible Fassade beidseitigen Sichtschutz. Zudem schaffen die verschiebbaren Module durch ihr rostiges Finish und die feine Durchlochung eine angenehme Stimmung im Inneren und auf den Balkonen. Die vorgehängte Fassade reduziert zudem den solaren Eintrag an heißen Sommertagen und schirmt teilweise den auf der Straße entstehenden Schall ab. Im Hinblick auf das Thema der Nachhaltigkeit wird die Schule in der Stahlleichtbauweise ausgebildet und das Gründach bietet nicht nur Ersatzhabitat für Bienen, sondern schützt auch die leichte Konstruktion vor intensiver Sonneneinstrahlung. Durch den Stahlskelettbau kann gewährleistet werden, dass die Stahlträger wiedergenutzt werden können. Es können ältere Träger verbaut werden und nach Umbauarbeiten am Gebäude können diese Träger auch wieder eingeschmolzen und neu in Form gegossen werden. Zudem kann die Technik in den Zwischenräumen der Skelettgeschossdecke und den Wänden einfach verlegt und bei Bedarf gewartet werden können.

Die ummantelnde Cortenstahl-Lochblech-Konstruktion schafft eine Interaktion zwischen Außen- und Innenraum. Die Balkone verschmelzen mit dem Inneren, sie bieten viele ähnliche Qualitäten wie der Innenraum und erweitern diesen so signifikant. Auch Besucher oder Passanten sind in der ISL gerne gesehen und werden durch das öffentliche, aber trotzdem mit der privaten Schulküche verbundene Kaffee angelockt. Hier glänzt auch das Herzstück des Erdgeschosses, der in das Untergeschoss führende Theaterraum mit Bühne und Zuschauerbereich, in den natürlich auch immer die Öffentlichkeit miteinbezogen werden kann. Auch durch die bodentiefen Fenster über der Tribüne kön- nen sogar vorbeilaufende Fußgänger in die verschiedenen Veranstaltungen hineinschnuppern. Über 3 Etagen zieht sich ein flurloses, offenes System. Die expressive Form des Gebäudes garantiert unterschiedliche Erlebnisse in den verschiedenen Gruppenräumen. Viele Räume lassen sich komplett öffnen und mit anderen verbinden. Auch die Balkone können einerseits als weiterer Lernort, oder als Ort zu Entspannung, zum Sport, zum Treffen und Reden dienen. Das Konzept heißt freie Aneignung. Lehrende und Lernende lernen, kochen, unterhalten sich und entspannen zusammen. Hier kann jeder frei sein und sich selbst so ausleben, wie es vielleicht vorher in den Gefilden „normaler“ Schulen nicht möglich war. Der Lernort spiegelt somit insgesamt die Schüler*innenschaft wieder. Die äußere Hülle ist facettenreich und wandelbar. Das Innere geprägt von Vielfalt und Innovation. Denn so wie die gesamte Konstruktion sind auch diese Individuen made of steel. Stark, widerstandfähig, mit leich- tem Flugrost.

Eine Projekt von Annabelle Oeste und Yasmin Kirsch

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