Suche
Gast-Prof. Robin Höning, Dr. Judith Janna Märtens

WAS DENN FÜR ´NE BRECHSTANGE, VERENA?!

Fachgebiet: Sustainable Cities and Communities
Rechtliche Rahmenbedingungen und politische Entscheidungen sind integraler Bestandteil jeder Stadtentwicklung – Auch wenn das im Studium manchmal abstrakt wirkt, bestimmt dieser Themenkomplex eigentlich immer den entwurfsentscheidenden Gestaltungsrahmen. Welche Rolle spielen Baurecht, Satzungen, Normen, Bebauungspläne oder Verwaltungspraxis in der Stadtentwicklung? Und was würde passieren, wenn wir die Regeln selbst schreiben dürften? Die neue Bundesbauministerin fordert im Mai 2025 einen, wie sie selbst sagt: „Bau-Turbo mit der Brechstange“. Das Baurecht soll beschleunigt, vereinfacht und aufgebrochen werden. Was damit gemeint ist, bleibt unklar. Für uns ist es Anlass, nachzufragen: Sind das nun gute oder schlechte Nachrichten für zukünftige Städte im Sinne der SDGs? Was tun Gesetze und Verwaltungsinstrumente mit Stadt? Was bedeuten solche politischen Eingriffe für die Planungspraxis? Und könnten wir den Spieß nicht umdrehen? “Well, if i only could make laws…” - Arno Brandlhuber im Film “legislating Architecture” Auch wenn wir als Stadtplaner:innen oft am Ende von Entscheidungs- und Genehmigungsprozessen stehen, heißt das nicht, dass wir dortbleiben müssen. In diesem Projekt nehmen wir die Regeln selbst in den Blick – nicht um sie brav zu befolgen oder trickreich zu umgehen, sondern um sie zu hinterfragen, umzudeuten und neu zu schreiben. Wir wollen verstehen, wie sich politische Interessen, Machtverhältnisse und gesellschaftliche Werte in Paragraphen einschreiben. Denn nur wer die Regeln kennt, kann sie verändern. Gemeinsam mit Studierenden der Rechtswissenschaften steigen wir also ein in die Welt des Planungsrechts: ins Baugesetzbuch, in kommunale Stellplatzsatzungen, Gestaltungsvorschriften oder scheinbar unscheinbare Verwaltungserlasse. Wir lernen, wie man sich in diesen Texten zurechtfindet – und was sie mit unserer alltäglichen planerischen Praxis zu tun haben. Dann drehen wir die Logik um: Jede:r Studierende wählt ein Gesetz, eine Vorschrift oder ein Paragraphensystem, das sie oder ihn besonders beschäftigt – und streicht es, schreibt es um oder erfindet ein neues. Dieser neue „Gesetzestext“ wird nicht nur theoretisch gedacht, sondern spekulativ und visuell umgesetzt: Wie verändert sich der Stadtraum, wenn diese Regel Realität wird? In einem interdisziplinären Austausch zwischen den Fachgebieten der Rechtswissenschaft und der Städteplanung werden wir fiktive städtebauliche Szenarien entwerfen und Fragen diskutieren wie: Was würde gebaut werden, wenn Traufhöhen, Abstandsflächen oder Dachneigungen nicht länger Form und Maß bestimmten? Welche Räume entstünden, 1 Arno Brandlhuber im Film “legislating Architecture” wenn Gesetze nicht als normative Regelungen, sondern als gesellschaftliche Aushandlungsprozesse verstanden werden würden? Was entstünde, wenn Baugrenzen verschwinden würden, Nutzungen sich überlagern dürften und Fassaden nicht normiert wären, sondern verhandelt werden müssten?