FilmRaum – Architektur zwischen Szene, Figur und Raum Film ist ein von unterschiedlichen Atmosphären durchzogenes, räumliches Medium. Er erzählt nicht nur durch Handlung, sondern durch Orte, Distanzen, Blickachsen, Körper im Raum, Licht, Bewegung und Stillstand. Figuren existieren immer in Beziehung zu ihrem Umfeld. Sie werden durch Räume geschützt, bedroht, isoliert oder sichtbar gemacht. Im Semesterprojekt wird ein Film nicht als Geschichte, sondern als räumliche Konstellation gelesen. Ausgangspunkt ist eine selbst ausgewählte Filmszene, in der sich ein besonderer Moment der Erzählung deutlich zeigt _ein Augenblick der Unsicherheit oder Entscheidung, ein Bruch oder eine Aufklärung, ein Konflikt oder ein Moment der Gewissheit_ es geht um eine Situation, in der sich etwas verändert, zuspitzt oder neu ordnet. Diese Szene wird nicht nur inhaltlich, sondern vor allem räumlich untersucht: Wie stehen die Figuren zueinander? Wie bewegen sie sich im Raum? Welche Rolle spielt der Raum dabei_begrenzt er, öffnet er, schützt er, lenkt er oder setzt er unter Druck? Im Fokus kann dabei die Hauptfigur stehen, eine Nebenfigur, eine antagonistische Figur (z.B der „Bösewicht“) oder eine Situation, in der der Mensch selbst beinahe in den Hintergrund tritt. Entscheidend ist nicht, wer im Zentrum der Szene steht, sondern wie eine räumliche Situation oder Konstellation insgesamt wirkt und welche Atmosphären entstehen. Licht, Klang, Enge, Weite, Rhythmus, Sichtbarkeit oder Abschottung prägen Wahrnehmung, Stimmung und Verhalten innerhalb der Szene. Aus der Analyse dieser Szene, der Interaktion zwischen Raum und Figur und ihrer räumlichen Bedingungen, wird ein architektonisches Konzept entwickelt. Dieses Konzept übersetzt nicht nur eine Rolle oder Handlung, sondern vor allem die Art und Weise, wie Raum und Gefühl im Film auf den Menschen einwirkt, ihn beeinflusst und Bedeutung erzeugt. Der Raum wird als aktiver Mitspieler verstanden. Er formt die Handlung, verstärkt Stimmungen und beeinflusst Entscheidungen. Der Entwurf schafft einen Ort, an dem Wohnen, Arbeiten und künstlerisches Schaffen zusammenkommen. Er verbindet filmische Atmosphäre mit realem Maßstab, Nutzung und räumlicher Logik. Die Architektur bildet keine Kulisse ab, sondern ist ein tatsächlich bewohnbarer Ort, entstanden aus der räumlichen und atmosphärischen Neuinterpretation einer konkreten Filmszene.