DAS KONZEPT

Mit der Mobilitätswende wird sich das Erscheinungsbild unserer Straßen ändern. Vor der Entwicklung und Etablierung neuer Technologien wird der Straßenraum zunächst statt von KFZ-Verkehr von Fußgängern, Radfahrern und Straßenbahnen bevölkert werden. Der Entwurf Eine Straße blüht auf zeigt eine Vision für die Untere Königsstraße in Kassel.
Der KFZ-Verkehr wird aus dem Straßenraum verbannt und die neu gewonnene Fläche als Aufenthaltsbereich und Bewegungsraum für Fußgänger umgenutzt. Zentrales Element des Entwurfes ist das lineare Moment der Straße, das aufgegriffen wird und die Vegetationsstrukturen und Einbauten durchzieht. Es wird kombiniert mit dem namensgebenden Thema des Aufblühens. Dieses schlägt sich nicht nur in blütenreichen Sträuchern, Staudenbeeten und zahlreichen farbigen Kletterrosen nieder, sondern ist auch in der Gleisbegrünung erkennbar.

RANKKONSTRUKTIONEN

Die Rankkonstruktionen dienen als Gliederungselement und bieten dem Fußverkehr Schutz vor dem schnelleren Radverkehr. Die Bauweise mit horizontal gespannten Drahtseilen unterstreicht das lineare Moment des Entwurfes. Die Konstruktion eignet sich als Kletterhilfe für Winden und Spreizklimmer wie Kletterrosen. Die Sequenzierung der Rankelemente wird im Entwurf durch Bänke, Beete und Pergolen aufgelockert und löst sich im Norden in ein Baum-Staccato auf.

GLEISBEGRÜNUNG


Als System für die Gleisbegrünung ist eine feste Fahrbahn geplant. Die Vignolschienen (rillenlos) sind stützpunktgelagert auf Betonlängsbalken befestigt. Die Vegetationsebene wird hochliegend ausgeführt, endet also an der Unterkante des Schienenkopfes. Zur Vermeidung von Streuströmen und daraus resultierenden Korrosionsschäden werden einteilige Schienenisolierungselemente aus PU-gebundenem Gummigranulat unter den Schienenkopf geklemmt.
Diese Bauweise bietet den Vorteil, dass eine bis zu 52 cm hohe Vegetationstragschicht eingebaut werden kann. Die Wasserspeicherkapazität der Vegetationstragschicht und des Unterbodens bedingen die Trockenresistenz der Gleisbegrünung und ermöglichen eine Bepflanzung mit Gräsern und Kräutern. Aufgrund der dicken Vegetationstragschicht übersteht die Bepflanzung auch längeranhaltende Trockenheitsphasen, sodass eine Bewässerung nach der Fertigstellungspflege nicht nötig ist.


Quelle: Handbuch Gleisbegrünung (2014), Grüngleisnetzwerk (Hrsg.)

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