Schillerviertel

Künstler

Grüße, Ich bin Emmanuel,

26 Jahre jung und arbeite jetzt ca. seit 3 Jahren hier im Schillerquartier. Auf der Suche nach einem Arbeitsraum für meine Animationsprojekte bin ich auf die Immobilie hier im Viertel gestoßen. Der Vermieter 1d ist sehr darum bemüht, dass man sich hier die Miete noch leisten kann. Außerdem gefällt mir die Nähe zu anderen Künstler*innen hier und man ist fußläufig relativ schnell an der Universität, der Innenstadt und am Hauptbahnhof 3b . Für mich ist das optimal, wenn ich Abends mit dem Rad nach Hause fahre bin ich auch schnell in der Südstadt. 

Nr. 1

Nr. 2

Bei dem Kunst und Architekturbedarfsladen um die Ecke bekomme ich schon einiges an Material für meine Projekte und kann mich dort im Hof auch noch mit anderen Kreativen austauschen. Für mich ist es wichtig auch Zeit in Netzwerkarbeit 5b zu stecken, häufig bin ich so schon an Aufträge gekommen und allgemein muss man ja immer am Puls der Zeit bleiben. Gemeinsam beteiligen wir uns am Stadtteilfest. Hier gibt's beispielsweise auch jemanden der Projekte organisiert, die sich mit der Gestaltung des Viertels 4b beschäftigen. Das hier so viel Streetart zu finden ist, ist schon ganz nett und ich glaube die Leute werden so auch auf das Viertel aufmerksam, was natürlich super ist, wenn hier etwas Leben einkehrt und die Kreativen auch wahrgenommen werden können. 

Momentan gibt es hier nämlich noch nicht so viele Angebote, die Leute ins Quartier locken. Gastro- und Nahversorgung fehlen 3c hier, bis auf einen Bioladen noch. Abends bleibt man dann auch nicht hier sondern fährt nach Hause oder in andere Stadtteile um was zu erleben. Leider gibt es hier kaum Aufenthaltsqualität und auch nicht mal eine Bar, in der man nach der Arbeit die Anderen ausm Quartier trifft. Man bleibt Abends einfach nicht hier 1c, weil hier auch einige komische Gestalten rumlaufen sobald es dunkel ist. Ansonsten habe ich aber das Gefühl, dass die Bewohner hier die Studenten und Kreativen willkommen heißen und froh darüber sind, dass ihr Quartier langsam aufgewertet wird. Da hier noch nicht alles durchgentrifiziert ist kann man sich da echt ausleben und eigene Ideen umsetzen und auch das Viertel mitgestalten. Allgemein gibt es in Kassel auch noch viele Möglichkeiten sich auszuleben 6d, dadurch das hier in der KKW noch nicht ganz so viel abgeht wie in Berlin oder New York und mit der documenta hat man dann sogar auch eine Plattform auf der man mit internationalem Publikum zusammenkommt. 

Nr. 3

Nr. 4

Auch die Stadt und die Wirtschaftsförderung unterstützen einen hier ziemlich gut, wenns beispielsweise darum geht einen Raum zum Arbeiten oder Ausstellen zu finden vermitteln sie Kontakte usw.. Das Kulturdezernat 2d hat auch immer ein offenes Ohr für meine Belange und kommt mal mit Projekten auf mich zu.

Studentin

Hey, ich bin Maria,

ich bin für mein Studium letztes Jahr nach Kassel gezogen. Ich habe mich bei der WG-Suche lange umgeschaut und hab dann eine nette WG im Schillerviertel gefunden. Erstmal war ich etwas überrascht von dem Stadtteil. Viele meiner Kommilitoninnen wohnen bei mir um die Ecke und trotzdem treffen wir uns lieber bei Freunden in der Nordstadt, da wir abends doch eher ungern hier auf den Straßen unterwegs sind. Tagsüber trifft man viele bekannte Gesichter auf der Straße.

Nr. 5

Nr. 5

Aber sobald es dunkel wird, ist es um die Drogenhilfe ”Nautilus” 1c ziemlich zwielichtig. Aber das wusste ich ja auch schon als ich hier hingezogen bin. Zum Teil macht das auch den Charm des Viertels aus, dass es noch nicht komplett einheitlich ist und die Mieten noch bezahlbar sind.

Egal wohin ich in meinem Alltag will, muss ich erstmal über eine der großen Straßen die um das Viertel 3a herumführen. Ich selbst habe kein Auto aber ich verstehe die Leute, die mit dem Auto einkaufen fahren, weil es hier im Viertel nicht wirklich einen Supermarkt gibt 3c. Für frische Lebensmittel gehe ich sehr gerne in den Bioladen hier um die Ecke aber wenn ich was für den Haushalt brauche muss ich schon etwas weiter laufen, die Bahn oder den Bus nehmen. Zum Glück habe ich eine Haltestelle direkt vor der Tür 3b und bin in 15 Minuten in der Südstadt, im Vorderen Westen oder Kirchditmold.

Nr. 6

Nr. 7

Mir gefällt am Viertel die Kunst im öffentlichen Raum 4a und das künstlerische Engagement, aber wirklich genießen kann man das auch nicht wirklich, weil wir uns leider nirgendwo hier aufhalten können 6a, außer in unseren WGs. Wir haben mitbekommen, dass Kunststudierende hier eine Galerie betreiben, allerdings gibt es keine Initiativen hier mal eine Bar oder ein Pop-up Restaurant aufzumachen , obwohl hier einige Ladenlokale leer stehen 6b.

Auch die Hinterhöfe 5a, wie zum Beispiel der, den ich von meinem Fenster aus sehen kann laden eigentlich total zu gemütlichen Zusammentreffen ein. In manchen arbeiten auch einige Kunstschaffende. Wiederum andere werden für Autoreparaturen oder als Sperrmüllplatz genutzt, darin liegt meiner Meinung nach noch viel Potential. Gerade jetzt wo man auf Grund der Pandemie viel zu Hause ist fällt mir auf, dass man gerne ein schönes Wohnumfeld hätte.

Nr. 8

Nr. 9 (Online: https://www.facebook.com/SchillerViertelKassel/photos/a.1085781381621524/1099766396889689)

Als ich hierher gezogen bin wurde mir noch von einem guten Club erzählt, der viel für das Nachtleben 6c hier im Viertel beigetragen hat und vor einiger Zeit leider schließen musste. Mittlerweile gibt es nur noch einen Club hier, der auch junge Leute aus anderen Stadtteilen anzieht, aber im Moment gibt es auch da keine Veranstaltungen, sowie auch das Stadtviertfest 2c was dieses Jahr leider ausfällt.

1. Demografie / Sozialstrukturen: 

a. In unseren Interviews wurde uns von lang ansässigen Akteur*innen berichtet, dass sich die Demographie des Schillerviertels von “Arbeiterfamilien” hin zu immer jüngeren Anwohner*innen, wie Studierende,  entwickelt. Viele Familien ziehen in die Vororte, woraufhin junge Künstler*innen und Studierende nachkommen.  Die Nähe zur Universität und der Innenstadt ist ein Faktor für diese Wanderbewegungen. [A3]

b. Innerhalb Kassels besteht weiterhin ein enormes Entwicklungspotential, da es innenstadtnah noch Viertel gibt, welche nicht von starker Mietnachfrage und daraus resultierenden hohen Mietpreisen geprägt sind. Dies lässt heterogene Bewohner*innen und Mieter*innenstrukturen zu die eine hohe Toleranz gegenüber Experimenten und Akteur*innen haben, die Stadt gestalten und verschiedenste Kunst- und Kulturangebote schaffen. Außerdem gibt es einen starken Austausch innerhalb der Akteur*innennetzwerke, da Kassel eine Stadt mit der Größe ist die viele Begegnungen innerhalb der KKW zulässt (A3). Dazu kommt noch eine Stadtpolitik die Ideen unterstützt und Projekte anstößt und fördert. [A3, A2, A4]

c. Durch die Nähe zur Drogenhilfe “Nautilus” und dem Rotlicht-Milieu Kassels gibt es Vorbehalte sich Nachts auf den Straßen aufzuhalten. Dies haben uns Akteur*innen des Viertels mitgeteilt, welche ihren Wohnort außerhalb des Quartiers haben. Als traditionelles Bahnhofsviertel ist dies auch der Ort, wo Prostitution und Drogenkonsum am präsentesten in Kassel ist, welches abschreckend für viele Personen wirkt. [A5]

d. Die meisten Akteur*innen innerhalb des Quartiers berichten davon, dass die Vermieter*innen sie in ihrer Arbeit unterstützen. Dabei sind die Vermieter selbst im Quartier wohnhaft oder innerhalb Kassels ansässig, dies vereinfacht die Kommunikation bei Problemen. Außerdem geht es einigen Vermieter*innen in erster Linie darum Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen, weshalb sie die Mieten leistbar für Kreative und Kunstschaffende gestalten. [A2, A3, A4, A5] 

2. Netzwerke: 

a. Das Quartier ist untereinander gut vernetzt und übersichtlich. Es wird  sich auf der Straße unter Anwohner*innen getroffen, sodass ein reger Austausch entstehen kann. Im Quartier hat sich vor einigen Jahren ein Stadtviertelverein, der “Schillerviertel e.V.”, gegründet, über den sich Anwohner*innen und Akteur*innen organisieren können und ein Netzwerk entsteht. [A3]

b. Organisation in Netzwerken ist für Schaffende der KKW notwendig, da Kontakte sozusagen die “Währung” innerhalb des Markts sind [A4]. Über Kontakte lassen sich Informationen akquirieren, die für einen Überblick des aktuellen Marktgeschehens essentiell sind um “am Puls der Zeit zu bleiben” [A2], strategische Kooperationen einzugehen und Gegenseitig von der Arbeit der Anderen zu profitieren. Für den Aufbau und die Arbeit innerhalb eines Netzwerks bringen manche Akteur*innen 50-70% ihrer Arbeitszeit auf [A2].

c. Das über das Stadtteil hinaus bekannte Schillerviertelfest profiliert das Quartier als einen sehr facettenreichen Stadtteil. Viele Akteur*innen nehmen daran Teil und stellen etwas aus. Dort findet ein Austausch zwischen Akteur*innen und Anwohner*innen statt.

d. Die Interviewteilnehmenden stellten heraus, dass Vertreter*innen der Stadtverwaltung häufig auf Veranstaltungen der KKW anzutreffen sind und mit ihnen auf Augenhöhe kommunizieren und sie unterstützen. Außerdem hilft die Wirtschaftsförderung den Akteur*innen bei der Unternehmensgründung und in Raumfragen. [A2, A3, A4]

3. Anbindung / Nahversorgung:

a. Das Viertel ist von drei großen mehrspurigen Autotrassen umgeben [Hoffmann-von-Fallersleben-Straße, Wolfhager Straße B251, Lutherstraße], welche wenige Querungsmöglichkeiten aufweisen, was aus eigener Kartierung hervorgeht. Somit wirkt das Viertel wie ein von der restlichen Stadt abgegrenzter Bereich und wird von der Öffentlichkeit meist nicht wahrgenommen.

b. Das Viertel ist durch seine Innenstadtlage und eine hohe Konnektivität geprägt. Zentral gelegen mit einer guten Busanbindung [Reuterstraße, Grüner Weg, Lutherplatz] erreicht man schnell alle Stadtteile. Viele im Viertel Arbeitende wohnen in anderen Stadtteilen und erreichen ihren Arbeitsplatz fußläufig oder mit dem Rad. [A5, A4, A1]

c. Aus mehreren Interviews geht hervor, dass es im Viertel nur einen Bio-Laden [Schmackes] und einem türkischen Supermarkt [Gastro Nova] gibt. Für alle anderen Besorgungen müssen die Bewohner*innen in benachbarte Quartiere gehen. Auch bei einer Begehung gab es kaum Einzelhandel auszumachen, die für den Alltagsbedarf notwendig sind.

4. Kunst im öffentlichen Raum:

a. Das Team von KolorCubes begreift ihre Arbeit mit Streetart als Stadt-/Quartiersentwicklung. Durch Kooperationen mit internationalen Künstler*innen, die sie zur Gestaltung von z.B. Hausfassaden einladen prägt ihre Arbeit nachhaltig das Stadtbild und wertet es auf. Graffiti nutzen sie als Bindeglied zwischen Künstler*innen und Stadtbewohner*innen, in dem sie Graffiti-Workshops und geführte Stadtspaziergänge in der “Public Art Gallery” anbieten. In Kooperation mit der Stadt Kassel werden gezielt Ort aufgewertet und in das Bewusstsein der Stadtbevölkerung gerückt.

5. Nutzungsstrukturen:

a. Viele Kunstschaffende schätzen die Struktur des Quartiers mit ihren ehemaligen Industriehallen und Hinterhöfen. Diese bieten viel Raum für Ateliers und Werkstätten. Die Mischung aus Ateliers und Wohnbebauung kann zu Konflikten führen, wird aber meist als sehr positiv aufgefasst. Im Kontrast dazu stehen Werkstätten und Fabrikhallen, welche noch ihren ursprünglichen Nutzen inne haben, sodass eine starke Mischnutzung im Quartier auffällt. [A4]

b. Organisation in Netzwerken ist für Schaffende der KKW notwendig, da Kontakte sozusagen die “Währung” innerhalb des Markts sind [A4]. Über Kontakte lassen sich Informationen akquirieren, die für einen Überblick des aktuellen Marktgeschehens essentiell sind um “am Puls der Zeit zu bleiben” [A2], strategische Kooperationen einzugehen und Gegenseitig von der Arbeit der Anderen zu profitieren. Für den Aufbau und die Arbeit innerhalb eines Netzwerks bringen manche Akteur*innen 50-70% ihrer Arbeitszeit auf [A2].

6. Entwicklungspotentiale:

a. Von Anwohner*innen und Akteur*innen gibt es den Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität, denn trotz der vielen Brachflächen im Quartier gibt es keine Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum, bis auf einem Spielplatz. [A2]

b. Der Wunsch nach mehr Gastronomie, ob Café, Restaurant oder Bar, wurde von mehreren Akteur*innen geäußert. Durch verbreiteten Ladenleerstand bestände das Potential ein solches gastronomisches Angebot zu verwirklichen. [A2, A3, A5]

c. Von einem ehemaligen florierenden Nachtleben ist von mehreren Clubs nur noch einer übrig geblieben, das “UNTEN”. [A4] Der Wunsch nach einem größeren Angebot bleibt jedoch weiter bestehen, um die Qualität des Nachtlebens im Quartier und in Kassel zu steigern.

d. Innerhalb Kassels besteht weiterhin ein enormes Entwicklungspotenzial, da es innenstadtnah noch Viertel gibt, die nicht von starker Mietnachfrage und daraus resultierenden hohen Mietpreisen geprägt sind. Dies lässt heterogene Bewohner- und Mieter*innenstrukturen zu die eine hohe Toleranz gegenüber Experimenten und Akteur*innen haben, die Stadt gestalten und verschiedenste Kunst- und Kulturangebote schaffen. Außerdem gibt es einen starken Austausch innerhalb der Akteur*innennetzwerke, da Kassel eine Stadt mit der Größe ist die viele Begegnungen innerhalb der KKW zulässt [A3]. Dazu kommt noch eine Stadtpolitik die Ideen unterstützt und Projekte anstößt und fördert. [A2, A3, A4]

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Zwischen Kreativquartier und Kulturfabrik

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Kassel

Vertretungsprofessorin

Dr. Janet Merkel

Benjamin Schubert

Carolin Kohl

Jan-Niklas Krause

Mathis Lepel

Philip Stöcker

Radmer van der Aalst

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