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Grundschule Berndorf – Lernzweig

Beteiligte: Alina Rosenkranz | Janina Müller | Julius Wadsack | Octavio Garces Sturm
Vertikal Projekt: WiSe 2025/26
Fachgebiet: Entwerfen und Nachhaltiges Bauen

BERNDORF

Der Ort Berndorf der Gemeinde Twistetal im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg hat etwa 1.658 Einwohner. Der dörflich geprägte Ort liegt in einer von Wiesen, Feldern und bewaldeten Höhenzügen geprägten Umgebung. Durch die Nähe zur Stadt Korbach und die Anbindung über die Korbacher Straße ist Berndorf gut in die regionale Infrastruktur eingebunden.
Über viele Jahre hinweg spielte die Wilke Waldecker Fleisch- und Wurstwaren GmbH & Co. KG eine prägende Rolle für den Ort. KG, deren Produktionsstandort sich in Berndorf befand. Die Wurstfabrik war ein wichtiger Arbeitgeber und prägte die wirtschaftliche Entwicklung des Ortes sowie seine bauliche Struktur. Das ehemalige Fabrikgelände ist heute ein bedeutendes Areal mit Entwicklungspotenzial und bildet einen zentralen Ausgangspunkt für neue Nutzungen und städtebauliche Konzepte.

Schwarzplan

STANDORT

Das Fabrikgebäude liegt an der stark frequentierten Korbacher Straße, die Twiste mit Korbach verbindet. Durch die direkte Lage an der Hauptstraße ist eine sehr gute Erreichbarkeit gewährleistet. Gleichzeitig führt die hohe Verkehrsbelastung an der westlichen Gebäudeseite zu einer deutlichen Lärmeinwirkung.
Im Osten grenzt das Gebäude unmittelbar an die Jahnstraße sowie an das Gelände der ehemaligen Grundschule Berndorf. Zwischen Gebäude und Straßenraum gibt es keinen Puffer, weshalb kaum Übergangs- oder Freiraumzonen vorhanden sind.
Nördlich der Fabrik befindet sich eine derzeit brachliegende, großzügige Fläche. Sie bietet ein erhebliches Potenzial für eine zukünftige Nutzung und Freiraumgestaltung. Im Süden sind die Flächen hingegen bereits versiegelt, sodass im weiteren Planungsverlauf keine zusätzliche Neuversiegelung erforderlich ist.
Das nähere Umfeld ist durch unterschiedliche Nutzungen geprägt, darunter ein Sportplatz, Spielplätze und eine Alpakafarm. Diese bestehenden Angebote können in ein zukünftiges Nutzungskonzept integriert und funktional sowie gestalterisch in den Entwurf eingebunden werden.

Analyse mit Potenzialen und Schwächen
Formfindung

FORMFINDUNG

Funktionstrennung
Entlang der Achsen 13–15 wird die bestehende Gebäudestruktur in zwei klar ablesbare Bereiche gegliedert. Dadurch entsteht eine eindeutige funktionale Trennung zwischen Schulnutzung und Wohnen. Der Abstand zwischen den beiden Baukörpern schafft eigenständige Erschließungs- und Außenräume und gewährleistet zugleich ausreichende Privatsphäre für beide Nutzungen

Einschnitte
Gezielte Einschnitte passen die vorhandene Struktur an die neuen Anforderungen an. Der Rückbau des obersten Geschosses ist aufgrund seiner leichten Bauweise konstruktiv gut umsetzbar. Weitere Subtraktionen an der Ostseite schaffen Abstand zum Gehweg und ermöglichen geschützte Außenräume für die Cluster, die als grüne Klassenzimmer genutzt werden können. Durch das Entfernen des Hochlagers entsteht im Wohnbereich eine C-förmige Gebäudestruktur.

Terrassierung
Das zweite Geschoss wird gegenüber der darunterliegenden Struktur zurückgesetzt und bildet dadurch großzügige Terrassen mit direktem Außenbezug für die Klassenräume. Jeder Raum erhält so die Möglichkeit eines direkten Austritts ins Freie. Gleichzeitig vergrößert die Terrassierung die Fassadenfläche und verbessert die Belichtung der Innenräume.

Lichthöfe
Weitere Einschnitte auf den Ebenen 1 und 2 schaffen zusätzliche Lichthöfe, die die Tageslichtversorgung im Gebäude deutlich verbessern. Besonders die Clustermitten profitieren davon, da sie stärker belichtet werden und zusätzliche Blickbeziehungen nach außen erhalten. Dadurch entstehen helle, kommunikative Lernbereiche mit hoher Aufenthaltsqualität.

Die Formfindung transformiert die großmaßstäbliche Fabrikstruktur in eine für Schüler besser lesbare und verständliche Gebäudestruktur. Durch die Gliederung des Baukörpers entstehen klar definierte Zonen, die Orientierung geben und unterschiedliche Nutzungen strukturieren. Terrassen und Außenräume erweitern den Unterricht nach außen und werden aktiv in den Lernalltag integriert. Gleichzeitig vergrößert die differenzierte Kubatur die Gebäudeoberfläche und schafft zusätzliche Fassadenflächen, wodurch alle Räume ausreichend Tageslicht erhalten. So entsteht eine hohe räumliche Qualität für Lernen und Aufenthalt.
Rund 70 % der Bruttogrundfläche bleiben erhalten.

Lageplan

GRUNDSCHULE BERNDORF

Die neue Grundschule in Berndorf ist als 3,5-zügige Schule für etwa 392 Schüler*innen sowie rund 75 Mitarbeitende konzipiert. In ihr werden die bisherigen Grundschulstandorte Twiste und Berndorf zusammengeführt, wodurch ein gemeinsamer Lernort für Kinder aus der gesamten Umgebung entsteht.
Das pädagogische Konzept basiert auf Clusterstrukturen, in denen Klassen, Lernbereiche und Aufenthaltszonen räumlich miteinander verbunden sind. Diese Organisation fördert gemeinsames Lernen, Austausch und flexible Unterrichtsformen.
Zudem ist die Schule für eine Ganztagsnutzung ausgelegt. Neben der Nutzung durch die Schüler*innen können ausgewählte Bereiche auch außerschulisch und gemeinschaftlich genutzt werden. Dadurch wird das Gebäude zu einem offenen Ort für Bildung, Begegnung und Aktivitäten im Ort.

Ansicht West
Ansicht Nord
Grundriss Level 1

RAUMORGANISATION

Level 1 bildet die zentrale Organisationsebene der Schule. Der Haupteingang führt von der Straße an den Bewegungsräumen vorbei direkt in das Atrium, das als Herz der Schule dient. Von hier orientieren sich die Lerncluster nach Osten, während Verwaltung, Büros und Lehrerbereiche nach Westen angeordnet sind. Innerhalb der Cluster verzweigen sich die Wege zu gemeinsamen Mitten und Marktplätzen, die flexibel als Lernflächen genutzt werden können. Durch die Topografie entstehen ebenerdige Zugänge zu Terrassen und Außenbereichen, und jedes Klassenzimmer besitzt einen eigenen Zugang ins Freie.

Auf Level 2 befindet sich nach Osten ein weiteres Lerncluster mit Klassenräumen, während zur Straßenseite Kunsträume, Werkstätten und die Bibliothek angeordnet sind. Diese Bereiche verfügen ebenfalls über eigene Terrassen. Die Organisation folgt der Struktur von Level 1 und schafft so eine konsistente Lernlandschaft mit direkten Außenbezügen.

Level 0 schließt direkt an den Schulhof an und bildet die Schnittstelle zwischen Außen- und Innenraum. Die Mensa öffnet sich großzügig zum Hof und bringt viel Tageslicht in das Gebäude. Vom Haupteingang führt eine markante Sitztreppe nach oben und verbindet die Ebenen visuell und funktional. Links befindet sich die Sporthalle mit Umkleiden, ergänzt durch Lager- und Technikflächen sowie eine integrierte Skatehalle. Mensa und Zwischenebene können durch flexible Wände abgetrennt werden, sodass die Sportflächen auch unabhängig vom Schulbetrieb genutzt werden können.

Grundriss Level 2
Grundriss Level 0
Galerie als Herz der Schule

ATRIUM

Das Atrium bildet das zentrale Herz der Schule und verbindet alle Geschosse über Treppen und den offenen Luftraum miteinander. Ein großzügiges Oberlicht sorgt für eine angenehme, natürliche Beleuchtung und schafft eine besondere atmosphärische Qualität. Die Sitztreppe, die vom Level 0 ins Level 1 führt, dient nicht nur als Verbindungsweg, sondern auch als lebendige Aufenthalts- und Begegnungsfläche für Schüler. Durch die klaren Blickbeziehungen über alle Ebenen hinweg bietet das Atrium eine hervorragende Orientierung und kann als zentraler Treffpunkt der Schule fungieren, der Gemeinschaft und Austausch fördert

Längsschnitt
© Julius Scharf
© Julius Scharf
© Julius Scharf
© Julius Scharf