Forum Görlitz

Eine urbane Intervention

Bachelorarbeit von Tim-Henrik Ehmer

Mit dieser Bachelorarbeit baue ich auf den Ergebnissen und Realisierungen meines gleichnamigen Bachelorprojekts auf. “Forum Görlitz“ dient als konkretes Vorhaben, welches vom Entwurf bis hin zur Umsetzung reicht. Bearbeitet wurde es im Sommersemester 2019 in Kollaboration mit dem Schriftsteller Lukas Rietzschel und meinem Kollektiv, bestehend aus Clemens Rapp, David Kaiser und Fridtjof Schmidt. Anlässlich des Zukunftsvisionen Festival (ZUVI) in Görlitz wurden wir eingeladen, einen Workshop zu veranstalten und an einer Podiumsdiskussion teilzunehmen. In einer gesellschaftlich zerklüfteten Stadt wollten wir durch Partizipation einen Punkt für eine Weiterentwicklung vor Ort schaffen. Im Laufe des Semesters entwickelten wir hierzu den „blauen Tisch“, der als räumliche Struktur und gleichzeitig als Teil einer urbanen Intervention fungiert.

Um die Funktionalität des Prototypen zu erhöhen und gleichzeitig dessen Baukosten zu senken, entstand im Zuge meiner Bachelorarbeit „Der grüne Tisch.“ Durch eine neue Materialauswahl konnte der Tisch als Ausstellungs- und Interventionsmöbel leichter und widerstandsfähiger konzipiert werden. Die Verwendung von Konstruktionsvollholz (KVH) aus regional angebautem Fichtenholz trägt zu einer hohen Effizienz bei. „Der grüne Tisch“ besitzt die Fähigkeit, an jedem beliebigen Ort gebaut und aufgestellt zu werden.

Dies wurde durch den Einsatz von Materialien mit Standardmaßen erreicht, die es in den meisten Baumärkten kostengünstig zu erwerben gibt. Für die Tischplatte werden insgesamt 7 KVH-Balken benötigt. Diese besitzen eine Länge von 4 m und einen Querschnitt von 10 cm x 6 cm. Durch den Zuschnitt des Konstruktionsvollholzes auf 2,25 m und 1,75 m ergibt sich beim wechselseitigen Aneinanderreihen eine kraftschlüssige Fingerzinkenverbindung, die eine spätere Teilung der Platte ermöglicht. Die fertig zugeschnittenen Balken werden über 8 Gewindestangen zu einer Tischplatte verbunden. An den beiden Tischenden werden jeweils zwei 6 cm breite Ausschnitte eingefügt. An diesen Stellen werden beim Aufstellen des „grünen Tisches“ vier Stützfüße eingelassen. Beim Anziehen der Gewindestangen werden die Holzbalken zusammengezogen.

Durch diese kraftschlüssige Verbindung kann jede Stütze separat in beliebiger Höhe fixiert werden. Dies wiederum ermöglicht ein Aufstellen an fast allen Örtlichkeiten. Dank der Fingerzinkenverbindung ist eine einfach Demontage der Tischplatte durch das Lösen von nur zwei Gewindestangen möglich. Dadurch passt „Der grüne Tisch“ in fast jedes Auto und kann bequem zur gewünschten Intervention transportiert werden. Falls kein geeignetes Automobil zur Verfügung steht, ist ein Transport in demontierter Form in Bus, Bahn oder zu Fuß ebenfalls kein Problem.

Die grüne Farbigkeit des Tisches hat diverse Gründe. Zum einen soll er sich von anderen Möbelstücken sowie von seiner Umgebung abheben. Zum anderen dient die Farbe als Wetterschutzlasur, die den „grünen Tisch“ vor Umwelteinflüssen bewahrt und dadurch seine Lebensdauer maximiert. Die Farbe Grün steht für Nachhaltigkeit und fördert Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Toleranz und Zufriedenheit. Traditionell sind Verhandlungstische mit grünem Stoff bezogen. In der Liturgie steht Grün für eine neutrale Farbe. „Die Verhandlung am grünen Tisch ist die Verhandlung auf neutralem Boden“.

„Der grüne Tisch“ funktioniert interdisziplinär, das heißt er ist mehr als nur ein einfaches Ausstellungs- oder Interventionsmöbel. Er soll Menschen gezielt verbinden, ohne die Betrachtung von Alter, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder politischer Einstellung. Er erweitert jeden beliebigen Ort zu einem Raum des Austausches und der Gemeinschaft. Um diese Ziele zu erreichen, habe ich eine Internetseite (dergrünetisch.de) erstellt. Jeder, bei dem das Interesse geweckt wurde, kann sich dort eine Montageanleitung herunterladen und gemeinschaftlich den „grünen Tisch“ nach Hause holen. In Zukunft haben mein Team „fridaclemens“ und ich die Absicht, weitere Workshops anzubieten sowie Interventionen am „grünen Tisch“ auszurichten.

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