Einleitung

Seit einigen Jahrzehnten wird die Kultur- und Kreativwirtschaft in der Stadt und Regionalökonomie verstärkt als wichtiger Faktor der gegenwärtigen Stadtentwicklung wahrgenommen. Im Rahmen der Diskussion um die postindustrielle Stadt werden Kreativschaffende als Treiber von (Re)urbanisierungsentwicklungen identifiziert (vgl. Eckardt 2014, S. 280f.). Die gegenwärtige Forschung bearbeitet diesen Themenbereich vor allem im Kontext von großen Metropolregionen mit einer starken internationalen Strahlkraft.

Als Planer*innen interessiert uns der hier räumliche Bezug der Kultur- und Kreativwirtschaft. Die Frage nach spezifischen Standortfaktoren und den räumlich-materiellen Bezügen dieser Branchen waren dabei Themen, die die Entwicklung unserer Fragestellung geleitet haben. Welche besonderen Raumlogiken sowie Nutzungs- und Aneignungsstrukturen von Räumen ergeben sich daraus? Es ergab sich schon zu Beginn unserer Arbeiten, dass wir hierfür die Stadt Kassel als räumliches Beispiel näher untersuchen wollten. Nicht nur weil wir hier studieren, sondern auch weil sie als mittlere Großstadt für eine ganz bestimmte in der Forschung weniger beachtete Raumkategorie steht (vgl. Montgomery 2003, S. 293).

Daher sollte einerseits die Beschreibung von Kasseler Stadtvierteln als Kreativquartiere ein Ankerpunkt unserer Forschung bilden. Andererseits war es aber viel wichtiger sie als Einstieg in einen Dialog mit Akteur*innen und Expert*innen dieser Branche zu verstehen. Letzten Endes geht es hier darum eine breitere, explorativ angelegte Diskussion um die Kultur- und Kreativwirtschaft in Kassel anzustoßen.

 

zur Definition von Kreativquartieren

Wichtige Merkmale welche ein Kreativquartier auszeichnen nennen beispielsweise Bingel und Montgomery in ihren Forschungen. Demnach konzentrieren sich in diesen Teilen der Stadt die Aktivitäten der lokalen Kreativwirtschaft. Hier finden sich ein Großteil der netzwerkrelevanten Orte dafür  wieder (vgl. Bingel 2017, S. 466 und Montgomery 2003, S. 293). Aber nicht nur die kulturelle Produktion in Form von Manufakturen oder Dienstleistungen findet sich dort. Auch der kulturelle Konsum z.B. Ausstellungen, Konzerte oder Galerien finden sich hier in erhöhter Dichte vor (vgl. Montgomery 2003, S. 296). Ein ausgeprägtes Nacht- und Abendleben sowie ein belebtes Straßenleben unterstützen den Aspekt der starken Durchmischung und Diversität (ebd. S. 296f.). Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Bedeutung der hiesigen kreativen Aktivitäten als Teil der Identität, Bedeutung und historischen Entwicklung des Quartiers. (ebd. S. 301). 

 

Kreativquartiere in Kassel

Diese Merkmale in den von uns ausgewählten Quartieren “Vorderer Westen” und “Schillerviertel” zu untersuchen ist unser Forschungsinteresse. Dabei ist es wichtig nachvollziehen zu können, dass jedes kreative Quartier ein eigenes Profil und Ausprägungen hat (vgl. Heider, s. 141). Die baulichen Strukturen, die öffentlichen Räume und wie sich die verschiedenen Akteure und sozialen Netzwerke darin einbetten, sie aneignen und mitgestalten, führen zu einer individuellen Komposition im Stadtteil. Diese Wechselwirkung gilt es zu beschreiben und die Relevanz von Orten in diesem Kontext qualitativ zu rekonstruieren.

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Zwischen Kreativquartier und Kulturfabrik

Zur Kultur- und Kreativwirtschaft in Kassel

Vertretungsprofessorin

Dr. Janet Merkel

Benjamin Schubert

Carolin Kohl

Jan-Niklas Krause

Mathis Lepel

Philip Stöcker

Radmer van der Aalst

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