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Marko Demirovic

Katt Both. Die Ausstellung als Statement. Im Interview

Sonstiges: WiSe 2025/26
Fachgebiet: Entwerfen und Gebäudelehre

Die Ausstellung als Statement

Interview von Marko Demirovic

Ein Gespräch mit Martin Schmidl, Kunsthistoriker, Ausstellungskritiker und Rektor
der Kunsthochschule

Was war Ihr erster Eindruck?

Wie häufig bei Ausstellungen hier war mein erster Eindruck: überraschend, wie der Gesamtraum von wechselnden kuratorischen Teams immer wieder neu bespielt wird. Die in Stoff gehüllten, transparent geschlossenen Ringe etwa waren ein spannendes Element. Dazu kamen die großen Fotobanner unter der Decke. Sie veränderten den Blick im Raum spürbar. Dokumentarische Architekturausstellungen bestehen häufig aus kleinteiligen Elementen – Modellen, Skizzen, kleinen Fotos. Es ist gestalterisch nicht trivial, daraus etwas zu machen, das den Blick zunächst überhaupt anzieht, bevor man in die Details einsteigt. Das ist hier gut gelungen.

Gleichzeitig fallen mir kleine Unschärfen auf, etwa im Umgang mit Beschriftungen. Das liegt daran, dass wir kein durchgehendes kuratorisches Team, sondern studentische Mitarbeiterïnen haben. Wir sind eine Hochschule, an der ausprobiert wird. Viele der Formate sind Experimentalausstellungen. Diese hier liegt zwischen einem streng durchkuratierten Konzept und einem offenen Format. Man merkt, dass man an vielen Stellen noch feinjustieren könnte.

Die Ausstellung beginnt mit einem Zeitstrahl, fast wie in einem historischen Museum. Was macht diese Setzung mit dem Blick auf Katt Both?

Ein Zeitstrahl ist grundsätzlich ein hilfreiches Instrument. Er zwingt zur Reduktion der Biografie, man muss entscheiden, was wegfällt. Eine Kollegin merkte an, dass man die Parteimitgliedschaft zentraler hätte platzieren können. Diese Diskussion gab es auch im kuratorischen Team selbst würde ich vermuten. Genau an solchen Details entzündet sich sofort eine Debatte, und das zeigt: Eine Ausstellung hat einen starken Statement-Charakter. Das Skizzenhafte daran ist vielleicht sogar ihr größter Wert. Sie ist Auslöser für eine tiefere Auseinandersetzung, nicht deren Abschluss. Das wird oft vergessen. Man nimmt eine Ausstellung als Gegebenes hin, dabei soll sie etwas auslösen. Wenn eine Ausstellung nur bejubelt wird, sollte man sich eher fragen, ob sie überhaupt etwas bewegt hat und warum das Jubeln passiert.

Ist die Ausstellung also diskursiv, wie es der Projekttitel nahelegt?

Sie ist auf jeden Fall zeittypisch. Seit der Jahrtausendwende rücken zu Recht marginalisierte weibliche Positionen in den Mittelpunkt. Katt Boths Werk ist dafür breit genug. Ein Teil ihres Nachlasses geht ja auch ans Bauhaus-Archiv Berlin. Das zeigt: Sie wird wahrgenommen. Ihr Nachlass muss gesichert werden. Insofern ist der Punkt der Kontroverse vielleicht gar nicht das Zentrale.

Generell skeptischer bin ich bei der Kombination historischer Architekturausstellungen mit zeitgenössischen Kunstpositionen. Ich kenne das auch aus anderen Häusern. Ich hatte dort selten das Gefühl, dass diese Verbindung zwingend ist, so interessant die einzelnen Arbeiten sein mögen. Ob es hilft, eine historische, oft sehr nüchterne Ausstellung mit Modellen und Zeichnungen perspektivisch neu einzuordnen, oder ob es nur der Sorge geschuldet ist, zu verstaubt zu wirken, da habe ich kein abschließendes Meinungsbild.

Wie steht es um die begehbaren Grundrisse und die VR-Stationen? Schient das als eine Inszenierung oder Übertragung für Sie?

Es gibt keine nicht-inszenierte Ausstellung. Jede Ausstellung ist Inszenierung, auch die vermeintlich sachliche. In deutschen Gedenkstätten wurde oft gefordert, keine Inszenierung zu geben, aber das ist ein Kategorienfehler. Auch Sachlichkeit ist eine Form vonInszenierung. Die VR-Brillen, mit denen man die am Boden markierten Grundrisse begehen konnte, funktionieren in diesem Sinne, aber noch auf einem recht frühen technischen Niveau, fast wie ein Auto mit Handkurbel. Als Fachperson nehme ich dabei oft eher die Technik als den Raum wahr. Das mag bei einem fachfremden Publikum ganz anders sein. Es gibt bereits avanciertere Forschung dazu, etwa virtuelle Ergänzungen bestehender Museumsausstellungen. Grundsätzlich hat es Sinn, immersive Erlebnisse einzubauen, weil sie aktivieren, auch wenn ich selbst lieber bei der klaren Aufstellungsentscheidung bliebe.

Was war die größte Stärke der Ausstellung?

Dass sie Katt Both als vielseitige, multidimensionale Person zeigt, nicht nur im Schatten einer männlichen Figur ihrer Zeit wie man das etwa von Lilly Reich und Mies van der Rohe kennt. Das ist bei ihr anders, obwohl sie natürlich auch mit Kollegen zusammengearbeitet hat. Das sichtbar zu machen, war eine Leistung, die bleiben wird.

Wenn Sie die Ausstellung in einem Satz beschreiben müssten …

Sie hatte etwas Labyrinthisches im positiven Sinn. Auf den ersten Blick viel zu entdecken, sehr unterschiedliche Angebote, von den Großfotos bis zu den textilen Einbauten und trotzdem, innerhalb dieser Vielfalt, klare Orientierungspunkte.

Das Gespräch mit Dr. Martin Schmidl über die Wirkung der Ausstellung gibt es auch als Video. Hier geht es zum Video →

Ein Interview mit der Prof. Marie Therese Harnoncourt-Fuchs über das Lehrkonzept ist auf der Startseite zu lesen.

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