Im Rahmen des Projekts „Tiere im Habitat Großstadt“ ging es darum, eine Ausarbeitung im Hinblick auf das Thema Ko-Habitation zu erstellen. In dieser Arbeit wurde sich mit dem Europäischen Biber und dem Englischen Garten in München beschäftigt.

Der Einstieg erfolgte durch eine Analyse des Bibers und dessen Habitatansprüchen. Im nächsten Schritt wurde der Englische Garten, die weltweit größte Parkanlage im urbanen Raum, die zugleich auch ein Gartendenkmal ist, untersucht. Mit der Wiederanssiedelung in den 1960er Jahren finden mittlerweile auch zahlreiche Biber ihr Habitat im Englischen Garten. Aufgrund Nage- und Bautätigkeit kommt es zu Interessenkonflikten zwischen Menschen und Tier.

Wir haben uns die Frage gestellt, ob in einem Gartendenkmal eine konfliktfreie Ko-Habitation möglich ist und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.

„BIBERTOPIA – Biber first, humans second“,

liefert dynamische freiraumplanerische Antworten auf die uneingeschränkte Lebensweise und Bautätigkeiten der Biber.

Der Biber steht an erster Stelle und wird mitsamt seines Schaffens vom Menschen akzeptiert.

 

(Auf dieser R:ein-Seite wird nur ein Teil der Arbeiten gezeigt, die über das Semester entstanden sind.)

-Lena Krumsig & Frederick Prüfer-

Geschichtlicher Hintergrund

Der Europäische Biber wurde früher in Deutschland für die Pelzzucht genutzt und dessen Fleisch als Nahrung verwendet. Dadurch wurde er im 19. Jh. in fast ganz Deutschland ausgerottet.

In den 1960er Jahren wurde der Biber in Deutschland wieder angesiedelt, an dieser Stelle spricht man von einer Bebiberung.

Seit 1976 unterliegt er zudem auch nicht mehr dem Bundesjagdgesetz und wird durch den Anhang IV der FFH-Richtlinie nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 lit. b, aa und § 7 Abs. 2 Nr. 14 lit. b  geschützt. Es handelt sich dabei um den strengsten Schutzstatus.

 

Biber in München

Seit den 1990er Jahren ist der Biber auch wieder in München anzutreffen, im gesamten Stadtgebiet gibt es 10 – 15 feste Biberreviere. Klassische Biberburgen kommen aufgrund von Platzmangel allerdings eher selten vor, so weicht der Biber auf Erdhöhlen aus.

 

Biber im Englischen Garten

Der Englisch Garten ist mit einer Fläche von 375 Hektar die größte Parkanalage der Welt im urbanen Raum und erstreckt sich vom Altstadtring bis in den Münchner Nordosten am Isarufer entlang. Diese Anlage ist ein besonderes Garten- und Naturdenkmal mit einem großen Altbaumbestand.

Der Isarring teilt die Grünanlage in einen südlichen, zur Innenstadt gelegenen Bereich, in dem sich Gastronomie und Sehenswürdigkeiten befinden. Der Nordteil ist naturbelassener und frei von Bebauung.

Bachläufe mäandrieren durch diesen Teil des Parks. So auch der Oberstjägermeisterbach, welcher den Schwammerlweiher speist.  

Durch das arttypische Verhalten des Bibers kommt es zu Schäden am historischen Baumbestand der Parkanlage. Der Biber fällt und schädigt Bäume rund um die Gewässer einem Radius von bis zu 60 m. Maßnahmen dagegen sind u.a. der Schutz der Baumbestände durch sogenannte Drahthosen. Des Weiteren kommt es zu Ablenkfütterungen mit Bruchholz.

 

Übersichtsplan Englischer Garten_Nord_(Darstellung hier verkleinert) © Eigene Darstellung

Analyse

Im Rahmen des Projekts haben wir den Nordteil des Englischen Garten auf Stellen mit Konfliktpotenzial durch Biberaktivität analysiert. Dafür wurde ein Lageplan erstellt und alle Bachläufe, Gehölzstandorte und die Erschließung verortet.

Anschließend wurde eine Heatmap erstellt, welche den Wirkradius des Bibers darstellt. Diese teilt sich in zwei Zonen auf:

Die 30 m Zone zeigt das Kerngebiet des möglichen Einflusses des Bibers,

die 60 m Zone den maximalen Wirkradius.

 

Szenario Bibertopia am Beispiel des Schwammerlweiher

Der Schwammerweiher wird in dieser Ausarbeitung exemplarisch der Mittelpunkt der Utopie und soll zeigen, wie freiraumplanerische Antworten aussehen könnten, wenn der Biber im Nordteil ohne menschliche Eingriffe wirken kann.

Durch das uneingeschränkte Wirken des Bibers ist davon auszugehen, dass es durch den Dammbau zu einem Wasseranstieg im Schwammerlweiher kommen wird. Dieser Ansteigen haben wir für dieses Beispiel auf eine Höhe von 1 m festgelegt. Durch diesen Anstieg würde auf der Nordwestseite des Weihers ein Weg und auf der Westseite eine Brücke überschwemmt werden. Des Weiteren würden durch diesen Impact des Bibers zahlreiche Bäume unter Wasser stehen und dadurch absterben.

Als Gegenmaßnahme streben wir daher den Bau eines Stegs an, welcher schon während der Dammbauaktivitäten des Bibers errichtet wird. Es besteht die Chance der Erweiterung bei steigendem Wasserstand.

Die Maßnahme ist in den folgenden Schnitten dargestellt.

Biberterretorien_Englischer Garten_Nord_(Darstellung hier verkleinert) © Eigene Darstellung

Maßnahmen nach Anstauung durch Biber_Schwammerlweiher_(Darstellung hier verkleinert) © Eigene Darstellung

Schwammerlweiher / Maßnahmen nach Anstauung durch Biber_Schwammerlweiher_(Darstellung hier verkleinert) © Eigene Darstellung

Weitere Maßnahmen

Neben der bereits genannten Reaktion auf den Wasseranstieg, sollen weitere Maßnahmen im Rahmen der Bibertopia zum Einsatz kommen. Um dynamisch zu reagieren, sollen temporäre, modulare Schwimmpontons und Stegkonstruktionen zum Einsatz kommen.

Bibererleben: Die Ko-Habitation zwischen Mensch und Biber soll durch die Einrichtung von Beobachtungsposten erlebbar gemacht werden. Die Beobachtungsposten sollen dabei einen Einblick auf den Impact des Bibers (Landschaftsveränderung, Bautätigkeit) geben.

Denkmalschutz: Besonders schützenswerte Gehölze sollen so lang wie möglich vor Verbiss beschützt werden. Dafür sollen u.a. optimierte Drahthosen mit Fundamenten und resistenteren Materialien zum Einsatz kommen.

Visualisierung © Eigene Darstellung

Quellen

Literaturquellen:

Angst, Christof; Schwab, Gerhard, Schmidtbauer, Markus; Zahner, Volker (2020): Der Biber. Baumeister mit Biss. Regenstauf

Internetquellen:

Bayrischer Rundfunk: Offizieller Internetauftritt des Bayrischen Rundfunks: Biber-Plage im Englischen Garten: (Online-Ressource 2017), URL: https://www.br.de/nachrichten/bayern/biber-plage-im-englischen-garten,68wkachq70wkce9g6wvk6dhp6ww38 (Zugriff: 10.06.2021)

BUND: Offizieller Auftritt des BUND: Die Geschichte des Europäischen Bibers: (Online-Ressource ohne Jahr), URL: https://www.bund-nrw.de/themen/biber/hintergruende-und-publikationen/geschichte-des-bibers/ (Zugriff: 15.06.2021)

Deutsche Wildtierstiftung: Biber – Deutschlands größtes Nagetier: (Online-Ressource ohne Jahr), URL: https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/biber (Zugriff: 10.06.2021)

Merkur.de: Wo Biber in München wohnen: (Online-Ressource 2014), URL: https://www.merkur.de/lokales/muenchen/stadt-muenchen/muenchen-biber-wohnen-3356923.html (Zugriff: 13.06.2021)

Süddeutsche Zeitung: Offizieller Internetauftritt der Süddeutschen Zeitung: Biber in München: (Online-Ressource 2021), URL: https://www.sueddeutsche.de/muenchen/landkreismuenchen/muenchen-biber-isar-wuerm-population-1.5228679 (Zugriff: 13.06.2021)

Tz: Biber-Alarm in München – Diese Orte sind betroffen: (Online-Ressource 2017), URL: https://www.tz.de/muenchen/stadt/biber-alarm-in-muenchen-diese-orte-sind-betroffen-zr-8798910.html (Zugriff: 13.06.2021)

 

Tiere als Akteure im Habitat Großstadt

Masterprojekt im Sommersemester 2021 | FG Freiraumplanung

 Prof. Dr. Stefanie Hennecke | Dr. Annette Voigt | Dr.-Ing. Thomas E. Hauck

© 2021  Lena Krumsig, Frederick Prüfer

× ×